Unsere letzte geplante Aktivität in der Yunnan-Provinz war eine Hiking-Tour entlang des Lugu-Sees. So richtig geplant allerdings doch nicht ganz - eigentlich sollte es eine E-Bike-Tour um den ganzen See herum werden. Das scheiterte allerdings am sechs Fussstunden entfernten nächsten Bankautomaten, Ebbe in unserer Bike-Ausleih-Kasse, Ebbe in unserer Nahrungsmittel-Wasserkauf-Überleben-Kasse und der Tatsache, dass es auch gar keine versprochenen E-Bikes gab, sondern nur normale, d.h. viel zu kleine und für die Seehügel dank Eingangschaltung ungeeignete Drahtesel.
So wurde es also ein Spaziergang. Wir planten, zum Haus der Yang Erche Namu (im Folgenden kurz YEN) zu gehen. Diese war eine der ersten Ausreißerinnen der Mosuo. Die Mosuo sind die letzte Überlebende matriarchalische Gesellschaft (seit dem Ende einiger Experimente der 68er). Die Männer sind immer nur auf Abruf zu Besuch, das nennt sich dann "Heirat im Vorübergehen". You gotta walk the walk...
Von dieser Welt berichtete jedenfalls, nach Ansicht Ihrer zahlreichen Mosuo-Kritikerinnen stark exotifiziert, die YEN, die sich schließlich als Vorzeige-Minderheitenfrau mit dem roten Regime in Peking während der Kulturrevolution arrangierte und auch deshalb dieses tolle Haus geschenkt bekam. Nebenbei war sie Model und lebte eine Zeit lang in Kalifornien.
Da wollten wir hin. Eintritt in ihr Haus war schwierig aufgrund unserer privaten Finanzkrise. Aber, oh Wunder! Hat man den Blick beim Wandern vor die Füße gerichtet, kann man doch glatt einen passenden 50 Yuan-Schein vor sich liegen finden! Das waren Eintritt UND Trinkgeld!
Und nochmal oh Wunder, die eigentlich hauptwohnsitzmäßig in Peking lebende YEN war nicht nur aufgrund der chinesischen Neujahrs in der Gegend, sondern traf etwa zehn Sekunden vor uns bei ihrem Haus ein, lud uns zum von ihrer Oma selbst gemachten Weißwein ein und plauderte ganz unverblümt mit uns. Wir waren baff.
In Ihrer Bar fand sich dann auch der Grund, warum Rotchinas (größtenteils männliche) Funktionäre in den Siebzigern sie so toll fanden - sie hatte eine ausgesuchte Sammlung von Rotfahnenträgerinnenpornographie. So scheint es jedenfalls... (Lektüretipp hierzu übrigens "The Mao Case" von Qui Xiaolong und die Berichte über Mao von seinem Arzt)
Donnerstag, 2. Februar 2012
Momo's See
Nach dem Lonely Liar/Planet war unser nächstes Reiseziel, der Lugu-See, etwa 8 Busstunden entfernt. Kein (Michael?) Ende in Sicht. Nachdem wir die Straßenqualität begutachtet hatten, war uns auch klar, warum. Unser späterer Rückfahrtfahrer schaffte es auch noch, die Strecke in der Hälfte der Zeit zu packen, was zu spannenden Gesprächen mit einigen der Beifahrerinnen führte, die sogar ich übersetzen konnte ("Idiot!" "Fährst Du oder fahre ich?").
Das Seepanorama war es dann aber wert. Hat mich sehr an den Titicacasee in Perulivien erinnert, was Aussehen, Bootstouren, Höhe, indigene Bevölkerung etc. angeht. Abends und kaum wegverhandelbar ("optionaler, vorher nicht angekündigter Teil des Tourenprogramms für nur 100 Yuan extra - wer nicht will, auch kein Problem, man kann dann einfach die zwei Stunden auf die anderen warten!") war das Essen bei den Leuten der Mosuo-Minderheit.
Zur Mosuo-Minderheit muss man sagen, dass sie nach chinesischer Ansicht eigentlich gar keine Minderheit sind. Als solche wird man nur gezählt, wenn man eine eigene Schrift hat. Die Mosuo haben zwar eine andere Sprache, verwenden aber gar keine Schrift und zählen damit zur umgebenden Naxi-Minderheit. Wir erlebten also das Essen und authentische Volkssänge der Mosuo-Minderheit.
Das Essen war seltsamerweise genau wie die Zimmereinrichtiung tibetanisch. Die Volkssänge waren ebenso seltsamerweise auf Han-Chinesich (!) und wurden zum Abschluss mit einem kräftigen "Yasuo, Yasuo, Ya Ya suo! Mosuo, Mosuo, Momo suo! zelebriert". Yasuo bedeutet soviel wie "Gib Gas (Haider)", und Mosuo ist ja die lokale Minderheit. Interessanterweise ist "Yasuo" aber gar kein Mosuo, sondern tibetanisch. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Aber Naxi-Tibetaner etc. sind auch total häufig in der Gegend. Abends ging es dann noch zu einem sicher ebenso authentischen Mosuo-Volkstanz (mit Breakdance-Einlagen).
Der Original Mosuo-Taxifahrer am nächsten Morgen klärte uns dann über diese Missverhältnisse auf, so dass wir hier im Cabrio die Wahrheit und nichts als die Wahrheit verkünden können.
Das Seepanorama war es dann aber wert. Hat mich sehr an den Titicacasee in Perulivien erinnert, was Aussehen, Bootstouren, Höhe, indigene Bevölkerung etc. angeht. Abends und kaum wegverhandelbar ("optionaler, vorher nicht angekündigter Teil des Tourenprogramms für nur 100 Yuan extra - wer nicht will, auch kein Problem, man kann dann einfach die zwei Stunden auf die anderen warten!") war das Essen bei den Leuten der Mosuo-Minderheit.
Zur Mosuo-Minderheit muss man sagen, dass sie nach chinesischer Ansicht eigentlich gar keine Minderheit sind. Als solche wird man nur gezählt, wenn man eine eigene Schrift hat. Die Mosuo haben zwar eine andere Sprache, verwenden aber gar keine Schrift und zählen damit zur umgebenden Naxi-Minderheit. Wir erlebten also das Essen und authentische Volkssänge der Mosuo-Minderheit.
Das Essen war seltsamerweise genau wie die Zimmereinrichtiung tibetanisch. Die Volkssänge waren ebenso seltsamerweise auf Han-Chinesich (!) und wurden zum Abschluss mit einem kräftigen "Yasuo, Yasuo, Ya Ya suo! Mosuo, Mosuo, Momo suo! zelebriert". Yasuo bedeutet soviel wie "Gib Gas (Haider)", und Mosuo ist ja die lokale Minderheit. Interessanterweise ist "Yasuo" aber gar kein Mosuo, sondern tibetanisch. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Aber Naxi-Tibetaner etc. sind auch total häufig in der Gegend. Abends ging es dann noch zu einem sicher ebenso authentischen Mosuo-Volkstanz (mit Breakdance-Einlagen).
Der Original Mosuo-Taxifahrer am nächsten Morgen klärte uns dann über diese Missverhältnisse auf, so dass wir hier im Cabrio die Wahrheit und nichts als die Wahrheit verkünden können.
Mittwoch, 1. Februar 2012
Guo nian hao! (Verbringt ein gutes Jahr!)
Das Jahr des Drachens ist über uns gekommen. Vor kurzem war es auch für uns soweit: Frühlingsfest (=Silvester) in China, das wichtigste Fest des Jahres! Wir hatten nach langen und zähen Verhandlungen schließlich einen besonderen Dispens bekommen - obwohl wir uns in China befanden und eigentlich keine Ausrede gehabt hätten (auch nicht die 4000 km Entfernung), durften wir wegen unserer Flitterwochen das Neujahrsfest ausnahmsweise auswärtig und nicht zu Hause in Fushun feiern.
Dafür zahlten wir natürlich drauf: Alle Preise waren standesgemäß erhöht und als Ersatzleistung gab es von unserem Herbergsvater, der für seine Familie gekocht hatte, das gut gemeinte Angebot, uns und die gar nicht so wenigen Gäste in unserer Situation mit beim traditionellen Abendessen zu versorgen. Wir "außerfamiliaren" saßen dann auch an einem extra Tisch und hatten viel Spaß. Der Herbergsvater/Koch machte für meinen Geschmack ganz gutes Essen, für die anwesenden ChinesInnen war es aber wohl nur mittelmäßig. Und die in Nordchina üblichen Mitternachtsjiaozi wurden stillos vorgezogen. Geballert wurde übrigens zwar für deutsche nicht-Kreuzberger Verhältnisse unglaublich viel, aber wohl weniger als in den Jahren zuvor. Trotzdem zeigte der Pekinger Luftqualitätsmesser der US-Botschaft dort für Neujahr zum ersten Mal in diesem Jahr den Wert "Katastrophal" an. Gut, dass wir weit weg in der beschaulichen Kleinstadt (1,2 Millionen Einwohner) Lijiang waren.
Unser früheres Kälteproblem behoben wir ab Neujahr dann übrigens auch mit Heizlüfter auf voller Stufe, einem Umzug ein Stockwerk höher und die Schleimhäute schonten wir dabei mit einer lustigen Wasserbeckenkonstruktion. Eine große Verdunstungsfläche war leider nicht drin. Nun, es war immer noch wärmer als beim lustigen Sibieren-Tief in Deutschland - endlich ist es da mal kälter als in Fushun. Vorteil von solchem Klirrfrost ist ja z.B., dass nach Zahn-OPs die Kühlung deutlich unproblematischer vonstatten geht (nutze diesen Vorteil gut, Sj.!). Wer sich rechtzeitig mit Thermo-Unterwäsche, Buff-Fleece-Röhrenschals, Windbreaker-Mützen und Fettcreme ausgestattet hat, sollte aber überleben. Viel Glück Euch! Die aktuelle Außentemperatur der Blogstation ist übrigens 15 Grad plus in Kanton (*prahl*), Südchina, wo wir Merkel beim Chinabesuch wohl knapp verpassen.
Jedenfalls blogbedingt leicht verspätet allen Leserinnen und Lesern ein frohes neues Drachenjahr!
Dafür zahlten wir natürlich drauf: Alle Preise waren standesgemäß erhöht und als Ersatzleistung gab es von unserem Herbergsvater, der für seine Familie gekocht hatte, das gut gemeinte Angebot, uns und die gar nicht so wenigen Gäste in unserer Situation mit beim traditionellen Abendessen zu versorgen. Wir "außerfamiliaren" saßen dann auch an einem extra Tisch und hatten viel Spaß. Der Herbergsvater/Koch machte für meinen Geschmack ganz gutes Essen, für die anwesenden ChinesInnen war es aber wohl nur mittelmäßig. Und die in Nordchina üblichen Mitternachtsjiaozi wurden stillos vorgezogen. Geballert wurde übrigens zwar für deutsche nicht-Kreuzberger Verhältnisse unglaublich viel, aber wohl weniger als in den Jahren zuvor. Trotzdem zeigte der Pekinger Luftqualitätsmesser der US-Botschaft dort für Neujahr zum ersten Mal in diesem Jahr den Wert "Katastrophal" an. Gut, dass wir weit weg in der beschaulichen Kleinstadt (1,2 Millionen Einwohner) Lijiang waren.
Unser früheres Kälteproblem behoben wir ab Neujahr dann übrigens auch mit Heizlüfter auf voller Stufe, einem Umzug ein Stockwerk höher und die Schleimhäute schonten wir dabei mit einer lustigen Wasserbeckenkonstruktion. Eine große Verdunstungsfläche war leider nicht drin. Nun, es war immer noch wärmer als beim lustigen Sibieren-Tief in Deutschland - endlich ist es da mal kälter als in Fushun. Vorteil von solchem Klirrfrost ist ja z.B., dass nach Zahn-OPs die Kühlung deutlich unproblematischer vonstatten geht (nutze diesen Vorteil gut, Sj.!). Wer sich rechtzeitig mit Thermo-Unterwäsche, Buff-Fleece-Röhrenschals, Windbreaker-Mützen und Fettcreme ausgestattet hat, sollte aber überleben. Viel Glück Euch! Die aktuelle Außentemperatur der Blogstation ist übrigens 15 Grad plus in Kanton (*prahl*), Südchina, wo wir Merkel beim Chinabesuch wohl knapp verpassen.
Jedenfalls blogbedingt leicht verspätet allen Leserinnen und Lesern ein frohes neues Drachenjahr!
Freitag, 27. Januar 2012
Heiß wie ein Vulkan
ist es nicht gerade in Lijiang, dem super-duper-mega-touristischem Altstädtchen in Chinas südwestlichen Berg- und Dschungelprovinz Yunnan ("Wolke Süd"). Aus sehr sinnvollen Denkmalschutzgründen darf es in der Lijiang-Altstadt, in der wir nun einmal wohnten, keine neumodischen Heizmechanismen geben (und auch keine äquivalent wirksamen Klimaanlagen-Systeme). Bin ich auch voll dafür! Obwohl die Frage durchaus bleibt, ob dieses hier abgebildete Ersatzsystem den wirklich besser ist - energiefressend, laut, gar nicht ästhetisch, nur geringfügig atemwegsschonender als "feuchtklamme, nasse Kälte".
In China ist es wohl ausgemachte Sache, ohnehin südlich des Yangtzekiang keine Heizsysteme zu erlauben bzw. zu unterstützen, was ich auch etwas arbiträr finde, zumal die 2000m-Hochlagen in fast direkt am Yangtze gelegenen Lijiang und die subtropischen Pseudo-Winter in Sanya doch verkühlungstechnisch ganz schön unterschiedlich sind.
Vermutlich als Resultat davon konnte ich auch meinen ersten eigenen Besuch bei einer chinesischen Ärztin machen (wegen Verdacht auf Bronchitis). Die resultierenden Medikamente haben zusammen mit der Beratungsgebühr etwa 8 Euro gekostet (während ein frisch gepresster Pfirsichsaft heute im Flughafenrestaurant ebenso viel gekostet hat - es ist also nicht so, als sei das Preisniveau in China generell krass niedrig). Pangdahai mit Lakritzbonbons, Chrysanthementee und noch ein paar anderen Ingredienzien aus der chinesischen Medizin waren, da es sich eh um eine virale Infektion handelte, die nicht mit Antibiotika bekämpft werden konnte, das geeignete Mittel.
Oh, ach ja. Was haben wir eigentlich gemacht in Lijiang? Zunächst einmal und für heute der Abschlussbericht war die Hauptquartier-Funktion für unsere Tour zu Tigersprungschlucht/Tiger leaping gorge. Der Legende nach sprang hier einst ein Tiger von der einen Seite des Yangtze zur anderen, was aufgrund der etwa 1000 Meter hohen Schluchten zu beiden Seiten nur durch relativ elegantes herunterhangeln an der Schluchtkante, guten Anlauf und hohe Motivation geklappt haben kann. Ok, die einzigen Tiger, die hier jemals herübergesprungen sind, waren wohl Plüschtiger, aber es macht eine gute Legende.
Donnerstag, 26. Januar 2012
Papa Razzi
Das Cabrio war schon immer gut darin, böse Dinge zu tun. Oder etwa nicht? Nach Erwerb des aufgrund thailändischer Überschwemmungen stark vergüngstigt erhältlichen 18-200mm Telezoomobjektivs für meine neue Kamera stellte ich erstaunt und ziemlich überrascht fest, dass man mit so einem Teleobjektiv nicht nur tolle Nahaufnahmen machen kann (nicht so gut wie mit einem Makro, aber immerhin). Nein! Man kann auch Papa Razzi spielen!
So lief ich also beim Warten auf den Anschlussflieger regelmäßig im Flughafen von Kunming herum und konnte wahllos Leute ablichten, ohne dass diese das groß mitbekommen können. Da sind richtige Charakterstudien drin...
Das vorher oder zumindest nachher fragen, ob man das Bild für das Cabrio verwenden kann, gestaltete sich aufgrund der Abwesenheit von Y. und der ebenfalls bedauerlichen Abwesenheit ausreichender Chinesischkenntnisse schwierig.
Rechtlich ist es wahrscheinlich sogar ok, da ich die Aufnahmen erst in Deutschland verwende und publiziere und das Recht am eigenen Bild nicht wie das Urheberrecht international auch strafrechtlich anwendbar ist(? In Deutschland könnte der hier Abgebildete wohl schon zivilrechtlich Unterlassung verlangen, vermute ich?) Andererseits - darf ein deutsches Magazin z.B. Bilder von US-amerikanischen SchauspielerInnen zeigen, ohne dass diese zustimmen?
Moralisch ist es natürlich fragwürdig. Klar, auf Standard-Urlaubsaufnahmen findet man auch so manches Gesicht auf ansonsten durchaus üblichen und legalen Flughafen-Warteraum-Bilder, aber die Porträt-Großaufnahme ist doch schon qualitativ eine andere Nummer.
Allerdings dürfte es auch niemanden so richtig stören, solange das Cabrio kein Geld mit Werbung macht und die zufällig Abgebildeten sich wohl (derzeit) mangels geeigneter Google-My-Own-Image-Suchalgorithmen niemals daran stören werden.
Was sagt das Publikum?
Sonntag, 22. Januar 2012
We had to resort to resorts
Auch um die Flitterwochen beim Veranstaltungsteam mit Mehrheit, dann sogar mit 100%iger Mehrheit, durchzubekommen, war ein vielfältiges Programm nötig: Städte(kul)touren, alpines/himalayisches Bergwandern, Radtouren sowie Erholungsurlaub am Strand. Natürlich haben wir mit dem Erholungsurlaub am Strand angefangen... und das war auch gut so!
Beim Flug zu der Südmeerinsel - ja genau, "der" Südmeerinsel, Hainandao übersetzt sich kreativerweise genau zu "Meer Süd Insel" - kam ich nämlich akut erholungsbedürftig aus dem Flugzeug. Der länger schon latent minimal vorhandene Schnupfen sorgte nämlich für ein vollständig verstopftes Eustachisches Röhrchen. Damit war nix mehr mit Schlucken oder Kaugummikauen zum Druckausgleich - es tat einfach richtig weh. So richtig gute Tricks dagegen habe ich auch nachher mit Googeln nicht gefunden, außer "bei der Landung Ohren mit Plastikbechern abdecken", was sicher selten dämlich aussieht und beim dem Flug mangels Bechern auch gar nicht ging.
Dafür kann man danach eigentlich nur noch Gutes erzählen. Sanya ist grundsätzlich eine reine Badeortstadt, mit 500 000 Einwohnern aber eigentlich deutlich zu groß dafür. Anders als z.B. in Varadero, Kuba erhält man also zwangsläufig noch Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung - außerdem machen hier auch in der Mehrheit Inländer Urlaub, anders als auf Mallorca oder eben insbesondere Kuba.
Die wirklich exklusiven Gegenden gibt es aber auch, in der Yalong-Bucht. Da ist dann aber wirklich nur Marriott neben Hilton etc. Aber auch das haben wir per Bus einen Tag ausprobiert und konnten mit dem gemieteten Fahrrad nach circa 30 Minuten zu einsamen Wasserbüffeln und einsamen Bauernhöfen vordringen.
Anyway, viel mehr gibt es nicht zu erzählen - es war erholsam, wir haben den Pool als Strandersatz genutzt (weil "unser" nicht-exklusiver Strand doch recht siffig und die Aussicht besser war). Ansonsten sind wir eigentlich nur noch den Sanya-Liebeshügel hochgeklettert. Das klingt deutlich unjugendfreier als es ist (und dann doch wieder nicht)- der Liebeshügel Luhuitou ist dort, wo nach 99 Tagen Jagd der Jäger aus dem indigenen Volk der Li dieser der Legende nach endlich das Reh stellen konnte, es einen Blick zurück auf den Jagenden warf und sich - oh Wunder und unerwarteter Zufall - in eine Li-Frau verwandelte. Beide verliebten sich instantan und die Jagd wurde aufgegeben und statt dessen lebten sie glücklich und zufrieden bis zu dem Tag, an dem die touristische Massenerschließung des Hügels begann...
Samstag, 14. Januar 2012
Nach den Vorbereitungen ist vor den Vorbereitungen
In Deutschland findet man hier eher A Plusplus, A Plus und A (oder habe ich das mit Kühlschränken verwechselt). Bei dieser Klimaanlage kann stolz die roteste Note bei der Umweltfreundlichkeit vermerkt werden.
Eigentlich dachte ich, nach meinem letzten großen Projekttreffen für das TMCC müsste ich für die Flitterwochen nichts mehr groß vorbereiten. Das war falsch.
Eigentlich dachte ich dann, nach Weihnachten und allen gekauften Geschenken müsste ich für die Flitterwochen nichts mehr groß vorbereiten. Das war falsch.
Eigentlich dachte ich schließlich, nach langen Telefongesprächen mit China (Y. bestand fast schon vernünftigerweise darauf, zumindest mal nachzufragen, ob es unsere Zielorte noch gibt) müssten wir für die Flitterwochen nichts mehr groß vorbereiten. Wieder falsch.
Verzweifelt dachte ich endlich, nach dem Einsteigen ins Flugzeug und der Zwangstrennung vom Internet könnten wir für die Flitterwochen nichts mehr groß vorbereiten. Das war richtig, aber sobald wir wieder gelandet waren, ging es gleich weiter...
Wir hatten anfangs ja einen Tag Beijing eingeplant, bevor es in den wirklichen Süden gehen sollte. Das war auch gut so. Mein sonst immer prächtig funktionierendes, fabulöses In-Zimmer-Ordnungssystem ließ mich im Stich. Wo war die Datenflatrate-SIM-Karte für China? "Es gibt da notfalls einen China Telecom-Filiale direkt bei uns um die Ecke, nein halt, die macht Samstag Ruhetag! Aber noch eine, in nur einer Stunde per Bus erreichbar, hat auf!" waren die letzten Worte gewesen, mit denen Y. mich besänftigen konnte.
Nun also unser Ankunftsprogramm: Zuerst zur Flughafen-Post, um da die erst in Fushun benötigten Klamotten per Post nach Hause schicken zu lassen. Dann zum Terminal 3 wechseln, um schon einmal die reservierten Flugtickets für morgen zu bezahlen. "Jetzt hat alles wirklich Wichtige geklappt, super! Der Rest wird einfach." waren Y.s frohe Worte.
Das kostenlose Shuttle brachte uns dann schon zu unserem Hotel. Die erste Überraschung: Es handelt sich nach Y.s Aussage wohl um ein Land- nicht Stadthotel. Unser letztes ibis war nämlich sauber und bequem (wenn auch etwas eng). Dieses war nicht so sauber und unpraktisch ("WLAN? Haben wir nicht."), wenn auch ausgesprochen geräumig.
Zum Hotel hatte Zhou Yao noch Ihren Personalausweis/ID-Karte und Ihre chinesische Flatrate-SIM-Karte per Expresspost schicken lassen. Diese vor unserer Ankunft zu schicken, wäre nach Y. zu riskant gewesen - Landhotelbesatzungen ist nicht zu trauen. Leider kam und kam die Expresspost nicht an (der Landpost ist wohl auch nicht zu trauen?)
Ohne SIM-Karte konnten wir aber auch nicht gut bei der Post anrufen und uns den Tracking-Status liefern lassen.
Überraschung zwei: Die China Telecom-Filiale um die Ecke hatte doch offen - das Internet lügt also doch. Nachdem die Eingabe meiner deutschen Passnummer das System (Linux!) zum Neustart (Linux?) gebracht hatte (so mit spannendem Einblick in das Konsolenbootlog), ging es beim zweiten Mal dann doch (wirklich Linux??) und wir hatten nach Zahlung von 50 Euro Kaution eine neue Internet-Flatrate-SIM. Die 50 Euro Kaution mussten wir zahlen, weil Zhou Yao nicht wohnhaft in Beijing ist und ich wohl auch nicht. Was dieses Mal Y. fast in den Wahnsinn getrieben hatte ("500 Yuan! Wucher! Das würde es in D.land nicht geben!").
Die Flatrate galt dann aber nur für Nicht-Hong Kong-China. Was die Angestellten in Erklärungsnöte brachte ("Ist oder ist Hong Kong nicht Teil Chinas?"). Ein sehr sensitives Thema.
Als ich dann endlich wieder online war, konnten wir endlich beim Postamt anrufen. "Ja das ist hier. Also beim Postamt. Warum, weiß ich nicht. Wir machen aber gleich zu." waren die fatalen Ansagen. Ohne ID-Karte wären die Flitterwochen gar nicht mehr so gut gegangen ("Dann wäre die ja irgendwann in der Obhut des Landhotelpersonals gelandet!").
Also auf ins wunderbarerweise nur 10 Autominuten entfernte Postamt. Nachdem das Hotel versagt hatte ("Taxis rufen wir hier nicht") und wir auch keinen Erfolg hatten und schon von schwarz arbeitenden Fahrern angesprochen wurden (was Y. erst mit Schweigen und dann mit "Nein, niemals würde ich bei Ihnen mitfahren" quittierte), sind wir dann mit demselben schwarz arbeitenden Fahrer zur Post befördert worden. Für unsere Notlage dank der offensichtlich geplanten Gesprächstaktik Y.s zum Wucherpreis, aber eben zum leistbaren Wucherpreis von 1,5 Euro.
Die Post hatte dann das Paket auch da und es stellte sich heraus, dass im Internet, welches ja nie lügt, die Postleitzahl des Landhotels falsch angegeben war und das Paket deshalb erst mal auf Halde lag. Puh, das war knapp...
So war am Ende alles wieder gut. Im Hotelrestaurant trafen wir noch einen vegetarisch essenden US-Amerikaner, dem wir bei der Bestellung halfen. Er stellte sich als stark religiöser Geschäftsmann aus dem südlichen North Carolina heraus, der uns zum Dank gleich chinesische Texte zu Jesus zusteckte und unsere Ehe segnete. Mhh, dann heute Abend lieber nur christliche Dinge tun.
May the Lord bless you, too!
Zur Einstimmung
Spielend lernen oder so: Ich zeige J. anhand der Karten des Kartenspiels Café International die chinesische Flagge. J.'s Kommentar: "In China ist meine Y. Und mein M." Betonung natürlich auf mein. Wir wünschen euch ganz viel Spaß und freuen uns schon jetzt darauf, euch wieder zu Hause zu begrüßen!
Samstag, 6. August 2011
Analog-Filmrollen mit geeignetem EXIF-Datum versehen
Damit es nicht vergessen wird...
Problem: Meine analogen Filmrollen habe ich digitalisieren lassen. Dabei kommen Foto-CDs heraus (z.B. bei dm), die nach dem Motto "img01_01.jpg" heißen, eben bis "img36_36.jpg".
Meine Bildverarbeitung sortiert aber nach EXIF-Zeitstempel, und nicht nach irgendwelchen Dateinamen. Diese sind aber alle gleich, weil sie alle in der selben Sekunde digitalisiert wurden. Außerdem ist das das Digitalisierungsdatum, nicht etwa das Aufnahmedatum. Mit digikam konnte ich mit dem Time & Date-Adjust-Plugin alle Zeiten auf den 21. Juli setzen, das Datum, an dem ich mit dem Fotografieren dieses Films begonnen hatte.
Das war schon besser, aber immer noch nicht gut. Jetzt hatten alle Bilder das ungefähre Knipsdatum, aber eben alle das gleiche. Die Sortierung war immer noch nicht ok! Also habe ich das Perl-Exiftool installiert und folgenden bash-Einzeiler eingetippt:
for i in *.jpg ; do num=${i:4:2} ; exiftool -AllDates+='00:'$num'' -P -overwrite_original "$i" ; done
Das nimmt alle JPG-Dateien, nimmt die vierten Stelle des Dateinamens zwei Zeichen (hier also 00 bis 36), und addiert diese als Minuten auf den Zeitstempel des Bildes. Das Bild img05_05.jpg erhält also nun den 21. Juli plus 05 Minuten als Zeitstempel, was die Sortierung wieder in Ordnung bringt.
Man müsste das nun nur noch "streckbar" machen (also bspw. alle Zeitstempel zwischen Erstknips- und Letzknipsdatum äquidistant verteilen) und den Exiftool-Aufruf in die Kipi-Plugins integrieren, dann wäre das ein prächtiges Feature für digikam. Wenn ich mal nachts nicht schlafen kann..
Problem: Meine analogen Filmrollen habe ich digitalisieren lassen. Dabei kommen Foto-CDs heraus (z.B. bei dm), die nach dem Motto "img01_01.jpg" heißen, eben bis "img36_36.jpg".
Meine Bildverarbeitung sortiert aber nach EXIF-Zeitstempel, und nicht nach irgendwelchen Dateinamen. Diese sind aber alle gleich, weil sie alle in der selben Sekunde digitalisiert wurden. Außerdem ist das das Digitalisierungsdatum, nicht etwa das Aufnahmedatum. Mit digikam konnte ich mit dem Time & Date-Adjust-Plugin alle Zeiten auf den 21. Juli setzen, das Datum, an dem ich mit dem Fotografieren dieses Films begonnen hatte.
Das war schon besser, aber immer noch nicht gut. Jetzt hatten alle Bilder das ungefähre Knipsdatum, aber eben alle das gleiche. Die Sortierung war immer noch nicht ok! Also habe ich das Perl-Exiftool installiert und folgenden bash-Einzeiler eingetippt:
for i in *.jpg ; do num=${i:4:2} ; exiftool -AllDates+='00:'$num'' -P -overwrite_original "$i" ; done
Das nimmt alle JPG-Dateien, nimmt die vierten Stelle des Dateinamens zwei Zeichen (hier also 00 bis 36), und addiert diese als Minuten auf den Zeitstempel des Bildes. Das Bild img05_05.jpg erhält also nun den 21. Juli plus 05 Minuten als Zeitstempel, was die Sortierung wieder in Ordnung bringt.
Man müsste das nun nur noch "streckbar" machen (also bspw. alle Zeitstempel zwischen Erstknips- und Letzknipsdatum äquidistant verteilen) und den Exiftool-Aufruf in die Kipi-Plugins integrieren, dann wäre das ein prächtiges Feature für digikam. Wenn ich mal nachts nicht schlafen kann..
Mittwoch, 16. Februar 2011
Landschaftstourismus
Es gab gleich mehrere Gelegenheiten, dieses Mal die verschneite chinesische Landschaft auch außerhalb der Industrieanlagen und Wohnbunker kennenzulernen - zumeist beim Spazierengehen. Dabei habe ich festgestellt, dass Y. Papa ein echter Schnellgeher ist - ich bin gerade so hinterhergekommen, was aber wirklich gut für meine Figur war. Allerdings geht er nicht unbedingt wegen des Sports so schnell, sondern weil man mit seiner Winterkleidung (eben nicht "Arktikkleidung") bei etwas langsamerem Tempo sofort höllisch zu frieren beginnt.
Ansonsten kannte ich mich als Besserwessi in der Nachbarschaft bald besser aus als die Nachbarn, die 500 Meter entfernte Statue kannte hier keiner; und die Wanderwege sind hier jetzt endlich mal ein Unterscheidungsmerkmal von Googles Karten und denen von Open Streetmap.
Ansonsten kannte ich mich als Besserwessi in der Nachbarschaft bald besser aus als die Nachbarn, die 500 Meter entfernte Statue kannte hier keiner; und die Wanderwege sind hier jetzt endlich mal ein Unterscheidungsmerkmal von Googles Karten und denen von Open Streetmap.
Die Qing-Dynastie ist tot
...und ihre Toten haben wir heute besucht! Es ist das zweite UNESCO-Weltkulturerbe "in" Fushun (also, so etwa 100km entfernt, aber da ist ansonsten eben keine andere große Stadt). Es sieht ziemlich so aus wie eine verbotene Stadt im Kleinen. Es ist zeitgleich die am meisten "unterbesuchte" UNESCO-Stätte, die ich je gesehen hatte - es waren außer uns ganze null andere Personen da. Das ganze ist prädynastisch - zwar ist die Grabstätte im Laufe der Qing-Regentschaft perfektioniert worden, aber begraben liegen hier keine Qing-Kaiser, sondern deren Vorfahren (die Manchu-Chefs, bevor diese die Kaiserwürde über Han-China der Ming/Shun-Dynastie im 17. Jahrhundert gewannen). Ob die mit Holzbeinen geflickten Steinstatuen in der Kulturrevolution gefallen waren oder wann anders, konnte ich mangels Karbonbasierte-Altersbestimmungs-Handset nicht bestimmen.
Das Haupthaus sieht aus und verhält sich wie jeder Tempel in Asien, ob buddhistisch, taoistisch, konfuzianisch oder eben imperial - es wird hauptsächlich Geld gesammelt. Wir waren allerdings keine Qing-Nachkommen und versuchten statt dessen, die Gegend unsicher zu machen. Erst war Y. Familie und sie mit dabei, dann war ich alleine unterwegs, weil das Auto doch wärmer war. So versuchte ich, einen Weg auf den hinter dem Grab liegenden kleinen Berg zu finden, um eine Sicht von oben auf das Grab zu bekommen; von für mich nicht wirklich lesbaren Schildern musste ich das Schlimmste annehmen ("Nicht weitergehen! Lebensgefahr! Geologisch instabil!"?) und einen anderen Weg suchen. Damit musste ich allerdings auch ziemlich bald aufgeben, und es ging schließlich zurück aus der imperialen Vergangenheit in den Sozialismus chinesischer Prägung (=Kapitalismus).
Das Haupthaus sieht aus und verhält sich wie jeder Tempel in Asien, ob buddhistisch, taoistisch, konfuzianisch oder eben imperial - es wird hauptsächlich Geld gesammelt. Wir waren allerdings keine Qing-Nachkommen und versuchten statt dessen, die Gegend unsicher zu machen. Erst war Y. Familie und sie mit dabei, dann war ich alleine unterwegs, weil das Auto doch wärmer war. So versuchte ich, einen Weg auf den hinter dem Grab liegenden kleinen Berg zu finden, um eine Sicht von oben auf das Grab zu bekommen; von für mich nicht wirklich lesbaren Schildern musste ich das Schlimmste annehmen ("Nicht weitergehen! Lebensgefahr! Geologisch instabil!"?) und einen anderen Weg suchen. Damit musste ich allerdings auch ziemlich bald aufgeben, und es ging schließlich zurück aus der imperialen Vergangenheit in den Sozialismus chinesischer Prägung (=Kapitalismus).
Dienstag, 15. Februar 2011
Haste Kohle?
Fushun hat Kohle. Sogar ziemlich viel - auf 50 Jahre wurde die Open-Air-Kohlegrube jetzt schon ausgebautet, und bis 2016 hat sie mindestens noch Vorräte. Natürlich ist auch ein (Open-Air-)Museum angeschlossen. Was ich noch nicht rausgefunden habe, ist, ob die Grube hier größer oder kleiner als die größte Open-Air-Kupfergrube der Welt, Chuquicamata in Chile (das Cabrio fuhr hin), ist. Alle Prominenz der KPdVRC war auch schon hier, von Mao bis Hu.
Ha'erbin ist nichts Halbes und nichts Ganzes
Das meinte jedenfalls meine Mitreisegruppe - Ha'erbin sei kalt und dreckig. Ich fügte immer noch "und interessant" dazu, was alle verwunderte. Aber es ist schon irgendwie eine Außenseiterstadt - statt Jahrtausende Han-chinesischer Geschichte vorzuweisen, fand der Aufstieg der Stadt unter der russischen Besatzung statt. Auch die Architektur ist stark vom zaristischen Russland geprägt. Das "Cafe Russland 1914" war aber eine Enttäuschung. Es gab zwar ein paar russische Rezepte, die so einigermaßen russisch schmeckten (?), da der Koch wohl Teil der fünfziger Jahre als chinesischer Austauschstudent in Russland verbracht hatte. Aber das Geschirr war dreckig, die Bedienung schläfrig, und die Kulturmelange Russland-China an dieser Stellte erstaundlicherweise weniger anziehend als abstoßend. Naja.
Danach haben wir, um uns das Ins-Kaffe-Gehen nicht völlig abzugewöhnen, ein Starbucks gesucht. In Südchinesischen Großstädten gibt es das ja an jeder Ecke. Hier aber haben wir lange gesucht und nichts gefunden. Das Internet sagt auch, dass Starbucks nordöstlich von Beijing expandieren wollte, die geplanten Filialen in Shenyang aber nur zu zwei dritteln fertig gestellt hatte und mangels BesucherInnen auch nicht weiter expandiert hat. Der einzige saubere Ort schien Y. dann in einem Teeladen gefunden. Der war auch wirlich gut (ok, wir haben auch viel ausgegeben und gekauft, u.a. ein Büro-Pu'er-Teeset). Die Laune war gebessert! Bis wir abends mit der großen Gruppe zu einem guten koreanischen Restaurant gegangen sind, was sich als... vorsichtig ausgedrückt, weniger gut als erwartet herausgestellt hat. Die mitreisenden Nicht-Ha'erbin-Chinesinnen waren den Tränen nahe.
Schließlich kann ich noch von der Sophienkirche berichten, die jetzt in ein schönes Stadtmuseum verwandelt wurde. Die alten Fotos von russisch-chinesischer "Koexistenz" (oder "imperialistischer Unterdrückung") sind sehr empfehlenswert, wenn auch englische Bildunterschriften fehlen.
Das erste, was wir gemacht hatten, als wir wieder in Fushun angekommen waren, war ein sehr teurer Restaurantbesuch...
Danach haben wir, um uns das Ins-Kaffe-Gehen nicht völlig abzugewöhnen, ein Starbucks gesucht. In Südchinesischen Großstädten gibt es das ja an jeder Ecke. Hier aber haben wir lange gesucht und nichts gefunden. Das Internet sagt auch, dass Starbucks nordöstlich von Beijing expandieren wollte, die geplanten Filialen in Shenyang aber nur zu zwei dritteln fertig gestellt hatte und mangels BesucherInnen auch nicht weiter expandiert hat. Der einzige saubere Ort schien Y. dann in einem Teeladen gefunden. Der war auch wirlich gut (ok, wir haben auch viel ausgegeben und gekauft, u.a. ein Büro-Pu'er-Teeset). Die Laune war gebessert! Bis wir abends mit der großen Gruppe zu einem guten koreanischen Restaurant gegangen sind, was sich als... vorsichtig ausgedrückt, weniger gut als erwartet herausgestellt hat. Die mitreisenden Nicht-Ha'erbin-Chinesinnen waren den Tränen nahe.
Schließlich kann ich noch von der Sophienkirche berichten, die jetzt in ein schönes Stadtmuseum verwandelt wurde. Die alten Fotos von russisch-chinesischer "Koexistenz" (oder "imperialistischer Unterdrückung") sind sehr empfehlenswert, wenn auch englische Bildunterschriften fehlen.
Das erste, was wir gemacht hatten, als wir wieder in Fushun angekommen waren, war ein sehr teurer Restaurantbesuch...
Montag, 14. Februar 2011
731
Wie ich schon beschrieben hatte, hatte ich mich in Ha'erbin auch mal alleine auf den Weg gemacht. Das war ziemlich spannend. Auf dem Hinweg dachte ich, ich gerate in eine Bombenexplosion - es waren aber doch nur Silvesterknaller, aufgereiht auf etwa 20 Meter, zum nacheinander explodieren. Eine Rauchgranate ist genauso effektiv, aber nicht so schick und weniger laut. Wo ich hin wollte, war das 731-Museum. 731 ist die ehemalige japanische Besatzereinheit für biologische Experimente. Was soll ich dazu sagen, ohne den LeserInnen den Tag zu verderben - wer den Wert von Menschen teilweise nicht höher als den von Laborratten einschätzt, ist selbst schon lange keiner mehr. Da ich meinen Pass nicht dabei hatte, musste ich 50 RMB Kaution hinterlegen, und überraschenderweise auch noch Eintritt bezahlen (der Lonely Liar meinte nämlich, das sei komplett kostenlos). Das alles mit bekanntlich nur einseitigen Sprachkenntnissen (ich kann ein bißchen was sagen, was verstanden wird, aber was andere zu mir sagen, geht aufgrund Sprechgeschwindigkeit oder Dialekt oder beidem unter). Puh! Am Ende war ich dann sehr froh und habe auch noch etwas Geld gespendet. Dafür bekam ich eine (Plastik)rose. Damit ging ich frohen Mutes zur Taxi/Busstation, ich war nämlich schon spät dran. Aber ich wurde erwischt! Es kam eine Angestellte hinter mir hergelaufen, und da verstand ich: Die Rose war nicht für mich, sondern zum Anstecken an die Gedenkgrabwand. Wie peinlich.
Auf dem Rückweg geriet ich dann an sehr nette Buschefin (es gibt ja immer eine FahrerIn und eine ChefIn, die das Geld eintreibt). Auch als ich nicht verstanden hatte, dass genau dieser Bus nicht bis zur Endstation fährt, sondern Benzin nachtanken muss, rettete sie mir meine pünktliche Rückkehr, indem ich einfach beim Tanken als einziger Fahrgast dabei sein durfte, bis es dann wieder in den Regelverkehr - praktischerweise genau an der Endstation! - zurückging.
Das hört sich alles nicht nach viel Abenteuer an, war aber voll ausreichend adrenalintreibend und spannender als die ganzen verpassten Tatorte der letzten zwei Wochen zusammen!
Auf dem Rückweg geriet ich dann an sehr nette Buschefin (es gibt ja immer eine FahrerIn und eine ChefIn, die das Geld eintreibt). Auch als ich nicht verstanden hatte, dass genau dieser Bus nicht bis zur Endstation fährt, sondern Benzin nachtanken muss, rettete sie mir meine pünktliche Rückkehr, indem ich einfach beim Tanken als einziger Fahrgast dabei sein durfte, bis es dann wieder in den Regelverkehr - praktischerweise genau an der Endstation! - zurückging.
Das hört sich alles nicht nach viel Abenteuer an, war aber voll ausreichend adrenalintreibend und spannender als die ganzen verpassten Tatorte der letzten zwei Wochen zusammen!
Die kalte Periode des Cabriofahrers
Uns war kalt. Das heißt, eigentlich war uns gar nicht so kalt, aber dies war ja eine Gruppenreise, wir waren also insgesamt sechs FushunerInnen. Genau die, die mich vorher noch mit Daunenjacke und Neopren-Hose ausgestattet hatten, weil sie der westlichen Outdoor-Kleidung nicht trauten. So lief ich also außen mit Daunenjacke und drunter mit Unterhemd rum, ansonsten wäre die Hitze nicht auszuhalten gewesen (und das bei bis -20 Grad). Genau die, die eigentlich selber gar keine richtige Kleidung dabei hatten - dünne Handschuhe, kein Gesichtsschutz, ...
Nach Expertinnenurteil der übrigen Fushunerinnen war Ha'erbin durch zwei Dinge vollständig charakterisierbar:
1. dreckig
2. kalt
Das sah ich nicht ganz so, obwohl dreckig schon zutraf. Ich hatte mich wenigstens gut amüsiert, und weil Zhou Yao beim Wursteinkauf helfen musste (die berühmte Rotwurst, wo man um vier Uhr morgens anstehen musste), konnte ich mal wieder ein Abenteuer erleben und mich alleine per Bus zu meinem nur mich interessierenden, stadtauswärts gelegenen Museum durchschlagen. Und es hat sogar geklappt (!)
Ansonsten waren wir aber in der schützenden, wenn auch teilweise zitternden Gruppe und genossen das legendäre (ziemlich teure, kitschige, aber auch wirklich tolle) Eis- und Schneefestival (das "Laternenfest"), die ehemalige russische Kultur in der Stadt, von der allerdings nur noch Spuren übrig waren, und den siberischen Tigerpark mit ziemlich populistischer Raubtierfütterung (ein Huhn zum lebendig selbst Verfüttern kostest etwa fünf Euro, eine Kuh 200).
Nach Expertinnenurteil der übrigen Fushunerinnen war Ha'erbin durch zwei Dinge vollständig charakterisierbar:
1. dreckig
2. kalt
Das sah ich nicht ganz so, obwohl dreckig schon zutraf. Ich hatte mich wenigstens gut amüsiert, und weil Zhou Yao beim Wursteinkauf helfen musste (die berühmte Rotwurst, wo man um vier Uhr morgens anstehen musste), konnte ich mal wieder ein Abenteuer erleben und mich alleine per Bus zu meinem nur mich interessierenden, stadtauswärts gelegenen Museum durchschlagen. Und es hat sogar geklappt (!)
Ansonsten waren wir aber in der schützenden, wenn auch teilweise zitternden Gruppe und genossen das legendäre (ziemlich teure, kitschige, aber auch wirklich tolle) Eis- und Schneefestival (das "Laternenfest"), die ehemalige russische Kultur in der Stadt, von der allerdings nur noch Spuren übrig waren, und den siberischen Tigerpark mit ziemlich populistischer Raubtierfütterung (ein Huhn zum lebendig selbst Verfüttern kostest etwa fünf Euro, eine Kuh 200).
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